Schneebälle in Vanillesoße

Station Freudenberg

Bei allerschönstem Wetter erreichen wir Freudenberg – ein idyllisches Städtchen am Main. Diesmal sind wir in reiner Frauenbesetzung (Cathrin, Caro, Manuela). Nochmal kurz die Haare geordnet, die Kleider zurechtgezupft, denn wir wollen ja einen guten Eindruck bei den Damen hinterlassen.

Bis auf Frau Sikora (aus Oberschlesien) und Frau Werner (in Brasilien geboren) sind alle Damen aus Freudenberg oder nächster Umgebung. Mitten in der Vorstellungsrunde sind wir schon direkt bei den ersten Rezepten. Wobei das Wort „Rezept“ erst einmal für Irritation sorgt. Was wir mit Rezept meinen? Man hätte damals halt einfach gekocht.

„Das Kochen hat man von der Mutter gelernt und die wieder von ihrer Mutter.“

Dennoch erfahren wir schnell ein typisches „Rezept“ der Gegend. Brenner –  sind so etwas wie Pfannkuchen. Man kann sie süß oder herzhaft essen. Mit Äpfeln oder Zwiebeln. Wichtig: nur ganz dünn ausbacken, so dass sie schön knusprig sind. Doch Achtung, sagt man uns. Sollten wir die Brenner außerhalb von Freudenberg essen wollen, würde uns schon niemand mehr verstehen. Nur ein paar Kilometer entfernt nennt man sie Pöngali.

„Direkt aus der Pfanne schmeckt es am besten“.

Ein Gericht was uns gleich begeistert sind die „Schneebälle“ von Frau Link. Eine leckere Süßspeise aus Eischnee und Vanillepudding.

Dann ist Frau Sikora an der Reihe. Sie kommt gebürtig aus Oberschlesien und rollt das „R“ so wundervoll, dass man ihr die ganze Zeit zuhören möchte. Ihre Augen beginnen zu leuchten, als sie von ihrem Leibgericht „Zurek“ erzählt. „Den Zurek“ haben schon ihre Urgroßeltern gemacht und alle haben „ihn“ aus einer großen Holzschüssel gegessen. Zurek ist eine Suppe auf Basis von Roggenschrot-Sauerteig. Man setzt den Sauerteig zusammen mit viel (sehr viel) Knoblauch drei bis vier Tage vorher an, damit er fermentieren kann. In einem Topf brät man Bauchspeck an, dazu gibt man Kartoffeln und Brühe. Außerdem Fleischwurst und darüber der Zurek. Wir sind uns sicher, das müssen wir probieren. In weiser Voraussicht hat die Tochter von Frau Sikora den Zurek Sauerteig angesetzt, so dass wir die wichtigste Zutat haben.

Küchenleiter Herr Fritz hört bei allem mit gespitzten Ohren zu und freut sich über die vielen Anregungen für seine Küche. Etwas was ihm selbst von früher besonders in Erinnerung geblieben ist, ist ein Originalrezept aus dem Nachbarort. Die Miltenberger Rossäpfel: ein Leberkloss, ein Semmelkloss und ein Fleischkloss mit Sauerkraut und Kartoffelbrei auf einer Schippe serviert und Dunkelbiersoße. Oh klingt das verlockend, aber wird für den nächsten Tag zu viel.

Wir stellen das Menu für den Kochtag zusammen: Auf jeden Fall Zurek. Unser zweites Hauptgericht wird Spargel mit Schnitzel – das hat sich Frau Meier gewünscht. Und zwar mit ihrer eigenen Soße. „Keine Hollandaise oder wie das heißt, sondern eine mit einer ordentlichen Mehlschwitze.“ Als Nachspeise die Schneebälle mit Vanillesoße.

Tag 2: Die Einkäufe werden begutachtet und los geht’s . Kartoffeln und Spargel schälen. Natürlich nicht mit einem Schäler sondern einem Holzmesser. Alle machen mit – mit oder ohne Handicap.

Frau Meier und Frau Link assistieren uns an den Töpfen und passen auf, dass alles genau nach Plan läuft. Der Vanillezucker für die Schneebälle erntet einen kritischen Blick – man ist irritiert über die schwarzen Punkte. Die sehen aus wie Fliegenköttel. Auch unsere Erklärung, dass dies echte Vanille ist, löst die Irritation nicht ganz auf. Früher hätte man nur „den normalen“ Vanillezucker verwendet.

Während die Speisen in den Töpfen köcheln, nutzen wir die Gelegenheit, um den Damen ein Hefezopfrezept zu entlocken.

Frische Hefe, nicht wie heute die trockene…nein frische hat man früher verwendet.

Dazu kommt a „bissel“ Zucker, lauwarme Milch (ganz wichtig lauwarm) und Mehl. Wichtig ist, das Mehl zu sieben. Den Teig kneten und dann an eine Stelle geben wo es warm ist und er mit dem Handtuch überdeckt ungefähr eine Stunde gehen kann. „Bis er sich verdoppelt hat“. Dann Restmilch dazu und Zucker und ein Ei.

Typisch in Freudenberg ist auch der „Matteblaz“ – ein Hefekuchen mit Quark. Man erzählt uns, dass früher die belegten Bleche zum Bäcker gebracht wurden und der den Kuchen fertig gebacken hat. Kein Blechkuchen ohne Streusel, da sind sich alle einig.

Das ultimative Streuselrezept: „Halbes Pfund Butter, Halbes Pfund Zucker und doppelt soviel Mehl“

Wenn die Streusel kleben dann nochmal die Hände mit Mehl einstäuben und den Teig kneten.

 

Endlich ist das Essen fertig und wir setzen uns voll freudiger Erwartung an den gedeckten Tisch. Als Vorspeise kommt der Zurek, der laut Frau Sikora zu sauer geworden ist. Das liegt am Wetter sagt sie. Da wird er schneller sauer. Das Saure schmeckt uns aber eigentlich ganz gut. Was krass ist, ist die Menge an Knoblauch…….der zieht allen die Schuhe aus. Normalerweise ist Zurek ein eigenes Hauptgericht, wir entscheiden uns aber es als Vorspeise zu machen – denn im Anschluss kommen noch Spargel und Schnitzel. Als krönender Abschluss die Schneebälle, die trotz der schwarzen Punkte ganz herrlich schmecken.